Ready Player One (der Hollywoodfilm)

Nach meiner Vorstellung des Buches von Ernest Kline letztens hatte ich nun die Gelegenheit, mir den Film anzuschauen. Eines fällt sofort auf: der Film ist das deutlich effektivere Entertainmentprodukt. Es scheint als hätten sich ein paar alte Hollywoodveteranen Klines Buch nacherzählen lassen und auf Basis dessen gesagt: Ok Rookie, rutsch rüber. Wir regeln das von hier an.

Generell wurde das ganze hochwissenschaftliche „Studieren“ der Kultur der 80ziger etwas zurückgenommen und vielen, im Original teilweise recht obskuren Referenzen durch weniger, dafür deutlich bekanntere und größtenteils spätere ersetzt. Schließlich sind junge Leute die von Hollywood korrekt identifizierte Zielgruppe des Films, was die nicht direkt (vom Hörensagen) kennen wird Ihnen erklärt.

Die vielen Originalschauplätze des Buches innerhalb der OASIS wurden auf einige wenige beschränkt, um die Komplexität und den bildnerischen Aufwand im hollywoodverträglichen Rahmen zu halten.

Der erste Teil des Buches findet im Film nicht wirklich statt, davon ist besonders Kline’s Beschreibung wie prekär der Zustand der Welt ist und warum. Dieser Teil war von vorneherein aber nicht besonders innovativ oder interessant, darum ist es hierum nicht allzu schade. Im Film ist die Situation ziemlich unspezifisch schlecht, obwohl es niemanden so richtig schlecht zu gehen scheint. Ausserdem ist im Film keine Rede von der OASIS als universale Bildungseinrichtung für alle, sondern nur als Ort, an den die Leute kommen, um der Realität zu entkommen, weil sie so schlecht ist.

Der größte Unterschied zwischen dem Buch und dem Film ist, dass PaZival im Film ein reiner Teamplayer ist, während er im Buch zunächst ein arroganter Eigenbrötler war. Statt seiner von den anderen unterstützen Einzelgänge, kommen hier die ‚high five‘ (so heißt der Clan bestehend aus Ihm, Aech und seinem Schwarm Artemis) zusammen, um die IOI gemeinsam am Fund von Halliday’s Osterei zu hindern. Dadurch kommt Wade, so heißt ParZival in der Realität deutlich sympathischer und weniger geekig isoliert, mehr wie ein Junge der Welt, die von dieser (unserer) übrig geblieben ist.

iRoc ist ein unsicherer Versager im Buch, im Film aber ein formidabler Bösewicht, fest in der Hand des IOI Schergen Sorrento.

IOI hat üble Pläne für OASIS, welche genau weiß man immer noch nicht, aber es hat mit Monetarisierung zu tun. Man ahnt, dass IOI’s Geschäftsmodell viel mit der Eintreibung von Schulden durch Sklavenarbeit zu tun hat, so explizit wie im Buch ist dieser Teil der Operation allerdings nicht beschrieben.

Die am Ende des Films von Og (Cofounder von Oasis) deutlich proklamierte und mehrfach wiederholte Moral der Geschichte ist hollywoodtypisch trivial (haltet Euch fest und erzählt es niemandem weiter): „Don’t give up on the real world, because it is … real“. Ebenso trivial sind ein paar halbarschige Denkansätze zu den Unterschieden zwischen virtueller Welt und realer in Punkto Geld, Liebe und Leben.

Der Film ist ebenso unterhaltsam wie das Buch, wenn auch auf eine barrierefreihere, gestreamlinte Art. Das Buch war, genau wie der Geek der es geschrieben hat und die Geeks für die es geschrieben wurde, grob, unsicher und, besonders während der Dialoge, weder charmant noch bescheiden. Der Film ist, durch seinen Mainstreamanspruch, direkter und weniger komplex, wartet aber mit großen Bildern auf (besonders die Rennszene am Anfang und die Schlacht um das ‚Castle of Doom‘ am Ende). So wird jedes Produkt seinem Anspruch gerecht, keines jedoch mit Auszeichnung.

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