Passage at Arms von Glen Cook

Die Beschreibung: „das Boot“ in Science Fiction ist für dieses Werk recht präzise. Es geht um Heldenmut, Gehorsam und letztlich die Sinnlosigkeit des Krieges.

Folgende Situation: Die Menschheit, inzwischen weit in der Galaxy verbreitet, führt einen langwierigen und hochbrutalen Krieg gegen die Rasse der Ulant. Über die Ulant erfahren wir nicht viel, ausser dass Sie in punkto technischer Entwicklung mit der Menschheit etwa gleich auf sind, ähnlich intelligent und etwas größer. Die Menschheit hat den Ulant eine Technologie voraus: den Transhyperdrive, ein Raumantrieb, der die vom Gegner beinah unfindbare Raumfahrt ermöglicht. Allerdings nur für extrem leichte Schiffe, die dann mit kleiner Besatzung und unter großen Entbehrung aus dem nichts auftauchen können um dann Transportkonvoys des Gegners zu torpedieren und damit dessen Nachschublinien zu stören.

Schiffe mit Transhyperdrive, auch Climbers genannt, sind aufgrund der Auslegung auf große Waffenlast extrem eng für die bis zu 49 Besatzungsmitglieder. Eine Dutytour auf einem Climber macht zwar keinen Spass, ist allerdings Vorraussetzung für eine Führungsposition in der „Marine“. Ausserdem ist der Turnover der Climber Crew hoch, denn der Gegner entwickelt zunehmend effektive Gegenmaßnahmen, hat spezielle Zerstörer entwickelt, die Climber aufgrund Ihres Transhyperschattens orten und mit Nullraumbomben auch während eines Climbs zerstören können.

Unser Held (der „einbeinige Intellektuelle“, von allen an Bord nur Lieutenant oder Sir genannt) ist der Autor des Tagesbuches das wir lesen, wird zu Propagandazwecken eine Feindfahrt auf einem Climber unter dem Kommando seines alten Akademiefreundes begleiten. Er ist für diesen PR Job aber mit seiner eigenen Agenda unterwegs.

Von Canaans Mond Terveen am Rande der Galaxie geht es ab auf eine Feindfahrt, in deren Verlauf nicht nur Rekorde gebrochen, sondern auch Legenden geschaffen werden. Der Kommandant führt seine Besatzung von einer haarigen Situation in die andere, er treibt sich, seine Mannschaft und sein Schiff bis an den Anschlag aller Leistungsfähigkeit und dann noch genau so weit darüber hinaus wie nötig. Das wiederkehrende Motiv dieser Odyssey ist Zerstörung: Raumschiffe, Basen und ganze Monde feindliche und eigene, zerstört durch herausragende taktische Leistungen und unglaublich unglückliche Zufälle. Es ein großartiges Abenteuer, von dem je nach Sichtweise alles oder wenig abhängt.

Dabei ist der brutale Kampf kein Ausdruck persönlichen Hasses auf Seiten der Schiffsbesatzung. Es handelt sich um rein geschäftliche Transaktionen. Der Feind wird an Bord nur „the competitor“ oder „gentlemen of the other firm“ genannt.

Cook’s Leistung liegt nicht in der Erschaffung des Szenarios, sondern in der dichten und authentischen Ausmalung einer Mikrosituation innerhalb dieses Szenarios. Seine Figuren sind menschlich glaubwürdig, seine Dialoge präzise und temporeich, der Ton durchweg authentisch und gefühlsecht. Packender und intelligenter kann man kein Buch schreiben, dessen Handlung sich zum größten Teil auf wenigen Kubikmetern mit nur einer kleinen Handvoll Charakteren abspielt. Ich kenne kaum Science Fiction, die menschlicher und feinfühliger geschrieben ist als Passage at Arms.

Lest dieses Buch, wenn Ihr Euch für Kompetenz, Pflicht, Ehre, Gruppendynamik, Männlichkeit, sowie Taktik und Kriegsführung interessiert, lest es wenn Ihr beeindruckende Führungsqualität erleben wollt und lest es, wenn Ihr einfach nur ein hervorragendes Buch sucht.

Um diese Story gut zu erzählen, hätte sich Cook nicht zwingend der Science Fiction bedienen müssen. Dass er es dennoch tat, erhöht aber die Einsätze unheimlich. Gespielt wird nicht mehr um die Vorherrschaft von Menschen untereinander sondern um das Überleben (oder die Vernichtung) der gesamten Menschheit.

Die SF Bibel erwähnt Passage at Arms nur kurz, den Autor aber als „writer of considerable energy but little patience“. Ich persönlich würde Cook, dessen Hauptwerk aber wohl der „High Fantasy“ zuzuordnen ist, aber nach der Lektüre dieses Buches keines von beiden absprechen.

Übrigens, wenn Ihr noch auf der Suche nach weiterem innovativem Science Fiction Lesematerial seid, der Katalog des San Franziskoer Verlages Night Shade Books ist immer einen Blick wert. Das ist meine ungesponsorte Meinung.

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