Damnation Alley von Roger Zelazny

Laut der obereminenten Encyclopedia of Science Fiction ist Damnation Alley ein gröberes Werk der mittleren Schaffensperiode des Autors, dessen erfolgreichstes Werk der Fantasy, das Beste aber der Science Fiction zuzuordnen ist. Zelazny trat 1962 zusammen mit Ursula le Guin und Thomas M. Disch auf den Plan, 1968 kam dann dieses Buch.

Folgende Situation: Nach einem dreitägigen nuklearen Holocaust sind in den früheren Vereinigten Staaten nur noch der Südwesten (um L.A. herum) und der Nordosten (um Boston) bewohnbar.Der Rest des Landes wird von mutierten Riesen- echsen, -spinnen, -schlangen, und -fledermäusen bevölkert, von radioaktiven Einschlagskratern übersäht und voller Megastürme und Felsregen. Da wird die Stadt Boston von der Beulenpest heimgesucht, das Gegenserum gibt es aber nur in L.A.

Voller Verzweiflung schicken die Bürger Boston’s eine Handvoll Kuriere los, in der Hoffnung, dass L.A. die Nachricht erhält und das Serum wider alle Wahrscheinlichkeit über den gesamten feindlichen Kontinent schickt, damit zumindest ein Teil von Boston’s Bevölkerung die Pest überlebt.

Unter heldenhaftem Einsatz schafft es einer von Boston’s Kurierfahrern tatsächlich, den Kontinent zu überqueren und die Bitte um das Serum mit seinen letzten Atemzügen in L.A. zu überbringen.

Auftritt Hell Tanner. Ja genau, Hell wie Hölle, das ist sein Name. Seines Zeichens Rowdy, Gangleader und Gewaltverbrecher, bekommt er den Auftrag dieses Himmelfahrtskommando anzuführen. Er läßt sich dazu überzeugen, weil der Staat von Neukalifornien im Gegenzug ein vollständige Amnesie für seine Verbrechen anbietet.

Dies ist der Startschuss für einen klassischen postapokalyptischen Roadtrip, bei dem es um viel geht: das Überleben der Stadt Boston und damit wahrscheinlich der einzigen anderen verbleibenden Stätte der Zivilisation. Ganz zu schweigen vom Schicksal unseres charismatischen Helden.

Grob erzählt ist dieser kurze Roman wirklich; die unkomplexe Story wird mit den breitesten Pinselstrichen gezeichnet. Kapitelweise wechselt sich die fortschreitende Reise Tanner’s mit bedauernswerten Einzelschicksalen der Bürger von Boston ab. Auch Tanner’s Charakter selbst glänzt nicht mit Tiefgründigkeit: er ist trotz seiner grumpeligen Art einfach ein liebenswerter Kerl, der seine Freiheit über alles liebt. Dies wird gleich zu Anfang deutlich, als er die Teilnahme seines Bruders an der Expedition mittels angebrochener Rippen erfolgreich verhindert.

Es folgt die Heldenreise in Kurzform: Tanner überwindet mit seinem krassen Gefährt nacheinander Bestien und Unwetter, wobei seine anfänglichen Mitstreiter fast alle relativ schnell den Löffel abgeben. Je näher er aber Boston kommt, desto öfter sind seine Widersacher und Hindernisse menschlicher Art. Für eine kurze Liebesaffäre am Wegesrand findet unser Held natürlich auch noch Zeit.

Dieser Science Fiction Roman ist knackig, vordergründig und amerikanisch; Grobheit hin oder her, diee Geschichte ist interessant weil abenteuerlich. Wer eine schnelle, erfrischend geradlinige Geschichte der Postapokalypse auslesen möchte, bevor der ICE von Berlin nach Köln die Zugteilung in Hamm erreicht, dem sei dieses Buch empfohlen.

Spannend ist übrigens die Einordnung von Damnation Alley in die SF Epoche der New Wave, die sich in der ersten heißen Phase des kalten Krieges in den westlichen Nationen, vor allem den USA und Großbritannien, entwickelte. Die New Wave ist geprägt vom menschlichen Charakter vieler Geschichten, dessen Szenarien vor allem psycho- und soziologische Themen vor dem Hintergrund unschöner Problematiken wie Devolution, Überbevölkerung und nuklearen Holocaust behandeln.

Die New Wave steht im Gegensatz zu der oft überenthusiastischen Zuversicht der Menschheit und dem Glauben an die eigene Überlegenheit, welche die vorangegangene Epoche bestimmte.

Zu diesem Thema lest Ihr in späteren Beiträgen mehr.

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