Ecotopia – Ernest Callenbach

Dieses Buch aus 1975 beschreibt eine alternative Geschichte, in der der Nordwesten der Vereinigten Staaten vor 20 Jahren in eine eigene Nation – Ecotopia – abgespalten ist. Die Bürger dieses Landes leben nach anderen, natürlicheren Werten; als Resultat entfernt sich der Lebenstil innerhalb Ecotopias immer weiter von dem der restlichen Staaten.

Weil die Bürger des Staates sich äußerlich recht scheu und geheimnisvoll geben, entsendet die New York Times-Post den Reporter William Weston, um ihren Lesern vom Leben der Ecotopisten zu berichten. Das Buch besteht aus diesen Zeitungsberichten sowie dem persönlichen Tagebuch Williams.

Die Bewohner Ecotopias bemühen sich um ein in erster Line gemeinsames, umweltbewusstes Leben. Die wenigen großen Städte, die es noch gibt (San Franzisko und Portland) sind dabei, sich in großflächigere, dünner besiedelte Gegenden auszustreuen. Die Menschen wohnen im Sinne der Umwelt zwar weiter auseinander, sind aber durch ein ausgezeichnetes öffentliches Verkehrssystem und elektrische Autos hervorragend miteinander verbunden.

Die Bürger arbeiten nur 20 Stunden in der Woche und beschäftigen sich den Rest der Zeit mit Ihren Interessen und Vorlieben. Große Firmen gibt es nicht, alle Beschäftigten sind gleichwertige, gemeinsame Eigentümer Ihres Betriebes.

Unterhaltung findet nicht in Form von Fernsehen und sportlichen Zuschauereignissen statt, sondern in erster Linie durch gemeinsame sportliche Betätigung und regelmäßige Interaktion miteinander. Dabei wird, diktiert von ungeschriebenen Regeln, Alkohol und Marihuana oft aber in Maßen konsumiert.

Partnerschaften und Familien sind größer, als im traditionellen Sinne. Zwar sind Paare in der Regel monogom, allerdings gibt es dazu keinen Druck. Zusätzlich gibt es vier Tage im Jahr, an dem der Partnertausch nicht nur geduldet sondern ermutigt wird. Ausserdem trauen sich die Bewohner gegenseitig so sehr, dass Sie Ihren Kindern den vorübergehenden Familientausch ermöglichen.

Weiterhin haben die Bewohner komplett andere Ideen zu den Themen Schulbildung, Pressefreiheit, Politik und Macht. Insgesamt wirken sich die hier gelebten Werke auf die Bevölkerung aus, so dass der durchschnittliche Ecotopist aktiver, neugieriger, involvierter und, ja, glücklicher ist, als sein Pendant aus den Staaten.

Im Zentrum der Handlung steht zunächst Weston’s Liebe zu Marissa, einer typischen Bewohnerin. Sie hilft Ihm, sich tiefer in die Gesellschaft Ecotopias zu integrieren und das misstrauische Gebaren der Bewohner gegenüber dem ausländischen Journalisten nach und nach zu überwinden. Bald merkt man deutlich , wie die offiziellen Zeitungsberichte Westons, konzipiert als herablassende Überlegenheitsstudie für die Bewohner der USA, von seinen persönlichen Meinungen, festgehalten in seinem Tagebuch, abweichen. Daraus entsteht sein Konflikt.

Obwohl Ecotopia als Roman ausgewiesen wird, wird die Handlung wirklich niemanden aus dem Stuhl schmeissen. Wie bei vielen Utopien ist das Buch in erster Linie das Vehikel, mit dem die Ideen einer Gesellschaft erkundet werden. Die Lebensweise der Bewohner Ecotopias ist, worum es wirklich geht.

Aus der Perspektive des Autors als kalifornischer Umweltaktivist der siebziger kommt Ecotopia seinem Ideal des menschlichen Miteinanders recht nahe. Dabei gibt der Autor zu, dass es sich ebi Ecotopia keineswegs um eine Utopie (perfekte Welt), sondern um eine Gesellschaft in der Mitte des Aufschwungs zu weiteren umweltbewussten Höhen.

Man merkt Ecotopia deutlich die vorherrschenden Einflüsse einer bestimmten Art kalifornischer Subkultur seiner Zeit an: es geht um Naturverständnis, freie Liebe, Pazifismus und ein bereits deutlich ausgeprägter Misstrauen gegenüber Konzernen und dem dahinterliegenden System des Kapitalismus.

Für den Reichtum der hier präsentierten Ideen und der Stimmigkeit der konstruierten Welt verdient dieses Buch den Status des Meisterwerks. Lest Ecotopia und taucht ein in eine Welt, wie sie sein könnte. Erlebt, wie die Ideen einer Generation aussahen und wie weit die heutige Wirklichkeit davon abweicht. In der Tat ist es erschreckend, wie sehr unser gegenwertiges Leben, dem der Menschen der Bürger der Vereinigten Staaten ähnelt.

Dieses Buch ist auch nach 40 Jahren brandaktuell.

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