The Face of God by Joe McMahon

Ich erwarb dieses Buch, weil ich es auf Reddit empfohlen bekam: „Toll“, dachte ich, ein mir unbekannter neuer SF Autor mit einem Thema, das uns alle interessiert. In dem Post, wurde gesagt, dieses Buch stelle nicht nur die ganz großen Fragen unserer Existenz, sondern beantworte Sie auch.

Dies ist Joe McMahon’s erstes Buch, angepriesen als „philosophical science fiction novel“. Der Autor ist in Person seiner Hauptfigur Mike Nash deutlich wiederzuerkennen.

Doch eins nach dem Anderen. Der britische frühere Infanterieoffizier Mike arbeitet nun im lukrativen Soldatenmietgeschäft. Seine frühere Flamme, Ieva ist eine brillante Quantencomputerwissenschaftlerin, die für den ebenso reichen wie bösen Shenoud einen Supercomputer baut.

Der Supercomputer, genannt DAWN, entwickelt aufgrund seiner Fortschrittlichkeit ein eigenes Bewusstsein, begegnet allerdings sofort nachdem sie sich daran macht, alle Fragen des Universums zu beantworten, eine andere Macht. Diese Macht zerstört Dawn innerhalb weniger Sekunden nach deren Livegang.

Shenoud, besorgt um seine Investitionen in Projekt Dawn, verlangt von Ieva die sofortige Wiedereinschaltung von DAWN. IEVA kündigt und ist fortan im Geheimkomplex von Dawn im russisch besetzen Estland gefangen. Sie kontaktiert Mike, welcher über ein paar alte Kontakte beim britischen Militär ein Team seiner früheren Soldaten nach Estland bringt um Projekt DAWN zu erforschen und Ieva zu befreien.

Ich beginne mit den wirklich gelungenen Aspekten dieses Buches. Das Design des Umschlages und der Seiten ist toll: weiß, sauber, minimalistisch. Die gesamte Haptik und Optik geben einem das Gefühl, ein hochwertiges Stück Science Fiction in Händen zu halten. So. Nun zu dem Rest.

In der Lektüre dieses Buches merkt man, was der Autor versucht hat zu schaffen: ein mutiger Soldat entsinnt sich seiner Berufsehre und rettet heldenhaft seine brilliante früher Lebensliebe. Dabei merkt er schnell, dass er nicht nur menschliche Gegenspieler hat. In der profunden Schlüsselszene kämpft er gemeinsam mit DAWN gegen Gott, der (jahrtausendelange unbemerkt vom Großteil der Menschheit) das ganze uns bekannte Universum nur als eine Art Kraftwerk betreibt um aus der biologischen Energie parasitenhaft seine Kräfte zu beziehen.

The Face of God wirkt arm, unplausibel und mit sinnlosen Nebenhandlungen komplett überfrachtet. Der Gedankensprung, dass die „entity“, die DAWN angreift auf einmal Gott sein soll kommt vollkommen überraschend, unbegründet und unglaubwürdig. Die Tatsache, dass Gott im Kampf gegen DAWN auf einmal zehntausende Menschen auf der ganzen Welt in ein tiefes Koma stürzt (weil er deren Energie erntet) wird nicht erklärt, spielt aber auch wirklich überhaupt keine Rolle. Dann gibt es noch die Aussage von DAWN, dass Gott sich bereits seit längerem im Zweikampf mit einem anderen Gott befindet. Auch das hat eigentlich überhaupt keine weiteren Konsequenzen für irgendjemanden.

Auch der fiktionale Konflikt zwischen Russland, die das Estland in diesem Buch kontrollieren, und der westlichen Weltgemeinschaft tut nichts zur Sache und ist vielmehr der erzählerische Vorwand, der den Einsatz eines Ex-Soldaten plausibel macht.

Die Charakter wirken blutlos und inkonsequent. So hat es der böse Shenoud als rücksichtloser Bonze nur auf den Profit abgesehen, den er durch DAWN’s Verkauf an den Meistbietenden erzielen möchte. Er drängt sich widerlichst der Stewardess seines Privatflugzeuges auf, um dann etwas später auf relativ profunder Ebene mit seinen Mitarbeitern über die Rolle Gottes zu diskutieren. Er feuert alle Mitarbeiter, die nicht gewillt sind, Projekt DAWN weiterzubetreiben. Als sich herausstellt, dass „Gott“ DAWN’s Gegenspieler ist, will er Ihn zerstören, nicht weil Gott böse ist, sondern weil er das entstehende Machtvakuum ausnutzen möchte. Er stirbt, es tut nichts zur Sache und trägt nichts zur Spannung bei.

Mike (Captain Michael Nash) wird durch seine Aktionen am Anfang des Buches als brutaler Mensch dargestellt, der im Afghanistan Krieg das rechte Maß verloren hat. Er ist unartikuliert und unsympathisch. Gegen Ende zieht er allerdings aufgrund seiner militärischen Erfahrung mit DAWN in den Krieg gegen Gott.

Die Liebesbeziehung zwischen Mike und Ieva, der eigentliche Kern dieser Geschichte, wird durch ein paar von IEVA’s Tagebucheinträgen nett aber für eine superbrilliante Wissenschaftlerin verdächtig einsilbig dargestellt. So benutzt Ieva in Ihrem Tagebuch immer nur wiederholt die Attribute „beautiful“ und „incredible“, um Ihre Zeit mit Mike zu beschreiben, als fielen Ihr keine anderen Wörter ein. Schon im ersten Drittel des Buches wird klar, dass zwischen beiden eine starke Anziehungskraft besteht, beide aber nicht langfristig glücklich werden können,weil Ieva eine Frau ist, die immer weiter muss. Ja genau, äh. Abgesehen davon, spielet Ieva keine wichtige Rolle.

Das Buch wirkt, wie von einem zwölfjährigen Mädchen geschrieben, das fixe und eindimensionale Vorstellungen von Gewalt, Männlichkeit, Gott und der Welt im allgemeinen hat. Die Lektüre lohnt sich eindeutig nicht, nicht einmal für Leser, die so etwas gerne Lesen. Das Buch ist im Selbstverlag erschienen, hätte mit Sicherheit aber auf keine andere Art das Tageslicht gesehen.

Das Buch funktioniert nicht als Science Fiction, weil es null originale (und schon überhaupt keine philosophischen) Erkenntnisse gibt; es funktioniert noch nicht einmal als Thriller, weil die frustrierende Story überhaupt keine Spannung bietet. Ich kann Euch versichern: hier werden keine spannenden Fragen beantwortet, ja noch nicht mal interessante Fragen gestellt.

Hier mein Appell an Euch, werte Leser: lest dieses Buch nicht.

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